Viele Bildungsträger sehen im Bildungsgutschein eine große Chance. Und das zu Recht. Denn:
- Bildungsgutscheine ermöglichen Zugang zu geförderten Teilnehmern
- Sie schaffen eine stabile Grundlage für Weiterbildungsangebote
- Sie eröffnen neue Marktpotenziale
Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie gewinnen Sie tatsächlich Teilnehmer:innen über Bildungsgutscheine?
Denn: Die AZAV-Zulassung allein reicht dafür nicht aus.
1. Die Grundlage: AZAV als Zugangsvoraussetzung
Um Bildungsgutscheine einlösen zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- TrägerzulassungDie Trägerzulassung bestätigt, dass ein Anbieter die Voraussetzungen nach AZAV erfüllt. Dazu zählen Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit, personelle Eignung und ein funktionierendes System zur Sicherung der Qualität. Sie ist die Grundlage für jede Maßnahmenzulassung. Beispiele: Trägerzulassung AZAV, Voraussetzungen Träger AZAV Mehr
- MaßnahmenzulassungDamit Sie Ihre Leistungen der Agentur für Arbeit anbieten können, müssen Sie Ihre Maßnahmen zertifizieren lassen. Hierzu bedarf es einer u.a. Konzeption sowie einer dazugehörigen Kalkulation, die den Anforderungen der AZAV entspricht. Mehr
Erst dann dürfen Sie Weiterbildungen anbieten, die über die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter gefördert werden. Die Trägerzulassung ist dabei Ihre Eintrittskarte für die Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung.
Doch: Die Zulassung ist nur der erste Schritt.
2. Der häufigste Irrtum
Viele Anbieter gehen davon aus: „Nach der ZertifizierungDie Zertifizierung ist das formale Verfahren, in dem eine fachkundige Stelle bestätigt, dass ein Träger oder eine Maßnahme die AZAV-Anforderungen erfüllt. Nach erfolgreicher Prüfung wird ein Zertifikat ausgestellt. Mehr kommen die Teilnehmer:innen automatisch.“ In der Praxis ist das nicht der Fall!
Warum? Weil die Nachfrage nicht durch die Zertifizierung entsteht, sondern durch:
- Relevanz der MaßnahmeEine Maßnahme ist ein einzelnes Bildungs- oder Vermittlungsangebot eines zugelassenen Trägers. Sie muss inhaltlich, personell und organisatorisch den Anforderungen der AZAV entsprechen und wirtschaftlich tragfähig sein. Mehr
- Sichtbarkeit Ihres Angebots
- Vertrauen in Ihren TrägerTräger sind Bildungseinrichtungen, die Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung oder Aktivierung anbieten. Sie müssen zuverlässig, leistungsfähig und wirtschaftlich arbeiten sowie über ein anerkanntes System zur Sicherung der Qualität verfügen. Mehr
3. Was wirklich über Teilnehmer:innen entscheidet
3.1 Arbeitsmarktrelevanz
Die zentrale Frage lautet: Führt Ihre Maßnahme tatsächlich zu einer realistischen beruflichen Perspektive? Die AZAVAZAV = Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung Hierbei handelt es sich um eine Verordnung, welche die Voraussetzungen und das Verfahren zur Akkreditierung von fachkundigen Stellen und zur Zulassung von Trägern und Maßnahmen der Arbeitsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung – AZAV) regelt. Es handelt sich um eine… Mehr verlangt ausdrücklich, dass Maßnahmen arbeitsmarktorientiert sind und aktuelle Entwicklungen berücksichtigen. Ohne klaren Nutzen für den Arbeitsmarkt:
- keine Förderung
- keine Teilnehmer:innen
3.2 Klare Zielgruppe
Erfolgreiche Bildungsträger definieren:
- Wer soll teilnehmen?
- Welche Voraussetzungen sind notwendig?
- Welches Problem wird gelöst?
Unklare Zielgruppen führen zu: geringer Nachfrage und schlechter Vermittlungsquote
3.3 Passendes Maßnahmenkonzept
Ein überzeugendes Konzept umfasst:
- klare Lernziele
- strukturierte Inhalte
- nachvollziehbaren Ablauf
Die Anforderungen an die Konzeption sind umfangreich und müssen logisch aufgebaut sein. Wichtig:
Das Konzept muss nicht nur formal korrekt sein, sondern in der Praxis funktionieren.
4. Der entscheidende Faktor: Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur
Teilnehmer :innen gewinnen Sie nicht „online“. Sondern durch Überzeugung und ein erstklassiges Konzept. Denn Arbeitssuchende haben keinen Rechtsanspruch auf einen Bildungsgutschein. Sie müssen die BeraterDer Begriff des Beraters ist nicht geschützt. Daher darf sich jeder Berater nennen. Jedoch ist es schwer, aus der Vielzahl einen GUTEN zu finden. Daher hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein paar Hinweise zusammengestellt, wie Sie einen für Sie geeigneten Berater auswählen können. Unter anderem sprechen sie die… Mehr:innen bei der Agentur für Arbeit und im Jobcenter überzeugen, dass ihre ArbeitslosigkeitArbeitslos im Sinne der Allgemeinen Vorschriften des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (§ 16 SGB III) ist, wer • vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht, • eine versicherungspflichtige Beschäftigung sucht und dabei insbesondere den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit für jede zumutbare Beschäftigung zur Verfügung steht und • sich bei der Agentur… Mehr durch diese Maßnahme beendet werden kann. Nur dann entscheiden die Vermittler:innen in den Agenturen:
- welche Maßnahme empfohlen wird
- welcher Träger in Frage kommt
Was bedeutet das konkret?
Sie müssen:
- Ihr Angebot verständlich darstellen
- Vertrauen aufbauen
- den Nutzen Ihrer Maßnahme klar kommunizieren
Kurz: Sie müssen für die Arbeitsvermittlung „empfehlbar“ sein.
5. Sichtbarkeit: Wie Ihr Angebot gefunden wird
Auch im geförderten Bereich gilt:
- Sichtbarkeit entscheidet
Wichtige Faktoren:
- Eintrag in relevante Datenbanken
- klare Beschreibung Ihrer Maßnahmen
- nachvollziehbare Inhalte
- durchdachte Vermarktung
Zusätzlich sinnvoll:
- Website mit klarem Angebot
- verständliche Darstellung für Teilnehmende
6. Qualität entscheidet langfristig
Ein häufiger Fehler: Fokus auf „Teilnehmer:innen gewinnen“ statt auf „Teilnehmer:innen erfolgreich qualifizieren“
Die AZAV fordert ausdrücklich:
- Qualitätssicherung
- kontinuierliche Verbesserung
- Bewertung der Maßnahmen
Diese Faktoren sind entscheidend für nachhaltigen Erfolg.
7. Typische Fehler in der Praxis
Wir sehen immer wieder:
- Maßnahmen ohne klaren Arbeitsmarktbezug
- unklare Zielgruppen
- Systeme, die nur für das AuditIm Rahmen eines Audits wird geprüft, ob die QM-Dokumentation sowie deren Umsetzung mit den Anforderungen der Norm im Einklang sind. Es wird zwischen einem internen und einem externen Audit unterschieden. Entgegen der allgemeinen Behauptung handelt es sich hier um keine Prüfung im klassischen Sinn. Vielmehr ist es ein Gespräch zwischen… Mehr aufgebaut wurden
- Kalkulationen, die nicht den Grundsätzen der WirtschaftlichkeitEine Maßnahme gilt als wirtschaftlich, wenn sie mit angemessenem Aufwand durchgeführt werden kann. Der Nachweis erfolgt über Kalkulationen, die zeigen, dass Kosten und Nutzen in einem vertretbaren Verhältnis stehen. Beispiele: Wirtschaftlichkeit AZAV, Maßnahme Kalkulation, AZAV Kostenprüfung Mehr und Sparsamkeit entsprechen
Die Folge:
- geringe Teilnehmerzahlen trotz Zertifizierung
8. Der richtige Ansatz
Erfolgreiche Bildungsträger gehen strukturiert vor.
Sie fragen nicht:
„Wie bekomme ich schnell Teilnehmer:innen?“
Sondern:
„Wie entwickle ich ein Angebot, das tatsächlich nachgefragt wird?“
9. Fazit
Der Bildungsgutschein bietet große Chancen. Aber:
Teilnehmer:innen kommen nicht durch die Zertifizierung allein.
Sondern durch:
- ein durchdachtes Konzept
- klare Zielgruppen
- arbeitsmarktrelevante Inhalte
- gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung (auch wenn diese keinen Träger empfehlen dürfen, erfahren Sie so, was die aktuellen Fördertrends sind)
Wenn diese Faktoren zusammenkommen, entsteht: ein stabiles und planbares Weiterbildungsgeschäft
10. Nächster Schritt
Wenn Sie wissen möchten, wie Sie Ihr Angebot konkret aufbauen können:
- Wir analysieren gemeinsam Ihre Ausgangssituation
- und zeigen Ihnen realistisch auf, wie Sie Teilnehmer über Bildungsgutscheine gewinnen können
Ohne unnötige Umwege.
Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.


